„Wechsel zu erneuerbaren Energien ist Wohlstandsfrage des 21. Jahrhunderts und Chance für ressourcenschonendes Wachstum“

Die Energiefrage sei eine Schlüsselfrage der Zukunft, konstatierte OÖVP-Landesgeschäftsführer LAbg. Mag. Michael Strugl zum Abschluss der Pfingstgespräche, was sich für ihn auch am großen Besucherinteresse zeigte – fast 1.000 Gäste waren an beiden Tage zu den Pfingstgesprächen zu kommen. „Und gerade weil es sich bei der Energiefrage um eine Zukunftsfrage handelt, sollen die Pfingstgespräche Auftakt und nicht Ende der Debatte sein, denn im zweiten Halbjahr des heurigen Jahres wollen wir einen energiepolitischen Schwerpunkt setzen“, kündigte Strugl an.

Konkret wird im Rahmen von „ACADEMIA SUPERIOR -Gesellschaft für Zukunftsforschung“ ein Energiepolitischer Trialog starten, der das Thema aus drei unterschiedlichen Aspekten beleuchten soll: Erstens aus der Perspektive von Gesellschaft und Umwelt, zweitens aus der Perspektive der Wirtschaft und drittens aus der Perspektive von Forschung, Technologie und Infrastruktur.

15. Reichersberger Pfingstgespräche: "Aufbruch in ein neues Energiezeitalter"

Mit den Referaten von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Benediktinermönch und Buchautor Pater David Steindl-Rast wurden am Pfingstmontag, 13. Juni 2011, die 15. Reichersberger Pfingstgespräche der OÖVP im Innviertler Stift Reichersberg eröffnet. Mehr knapp 1.000 Gäste kamen an beiden Tagen der Pfingstgespräche nach Reichersberg, um den Ausführungen der Referentinnen und Referenten. persönlich zu folgen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Pfingstgespräche stand das Thema „Aufbruch in ein neues Energie-Zeitalter. Wie können wir unsere Energiezukunft nachhaltig gestalten?“.

OÖVP-Landesgeschäftsführer LAbg. Mag. Michael Strugl unterstrich die Bedeutung der Pfingstgespräche als Vor-, Nach- und Querdenkerveranstaltung für die OÖVP: „Es ist wichtig, dass die Politik nicht nur über tages- und wahlpolitische Themen nachdenkt. Wir müssen auch einen wertegebundenen Diskurs führen, denn Auftrag der Politik ist die Gestaltung – und zwar auf Basis dieser Werte.“


Die Referenten der Reichserberger Pfingstgespräche 2011

1. Tag der Reichersberger Pfingstgespräche (v.l.n.r.): Univ.-Prof. Dr. Günther Brauner, TU Wien, Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Pater David Steindl-Rast, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, OÖVP-Landesgeschäftsführer LAbg. Mag. Michael Strugl

2. Tages der Reichersberger Pfingstgespräche (v.l.n.r.): Univ.-Prof. DI Dr. Günther Brauner (TU Wien), OÖVP-Landesgeschäftsführer Stv. Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer, Energie AG-Generaldirektor Dr. Leo Windtner, Univ.-Prof. Dr. Dr. Rafaela C. Hillerbrand (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen), Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer, OÖVP-Landesgeschäftsführer LAbg. Mag. Michael Strugl, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.


LH Dr. Pühringer: Energiefrage Wohlstandsfrage des 21. Jahrhunderts

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer betonte in seinem Referat die Bedeutung der Energiefrage, die für ihn gleichzeitig auch eine Wohlstandsfrage ist: „Die Wohlstandsfrage des 21. Jahrhunderts besteht darin, den Wechsel zu erneuerbaren Energien nicht als Bedrohung der Wirtschaft zu verstehen, sondern als Chance, einen Wandel zu vollziehen, der ein neues, ressourcenschonendes Wachstum möglich macht“, so Pühringer, der darin vor allem auch eine größere Verantwortung sieht: „Wachstum und Wohlstand dürfen nicht auf Kosten der Sicherheit kommender Generationen gehen, sie müssen ihr vielmehr dienen. Das ist unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung, das ist unsere Zukunftsverantwortung“, zeigte sich Pühringer überzeugt.

Pühringer ging in seinem Referat aber auch auf die aktuelle Atom-Debatte, vor allem in Angesicht der Katastrophe in Fukushima, ein: „Der Unsinn vom angeblich so billigen Atomstrom ist endgültig als Märchen der Atomlobby erkennbar. Die Atomenergie mag zwar kurzfristig als eine billige Energiequelle erscheinen, aber ihre Kosten sind im Fall einer Katastrophe nur schwer in Zahlen zu fassen – das gilt vor allem für die humanitären Folgen“, fand Pühringer klare Worte. Er erteilte der Atom-Energie einmal mehr eine deutliche Absage: „Kein wirtschaftliches Ziel ist es wert, das Wohl der Menschen, die heute leben und derjenigen, die nach uns kommen, so fundamental zu gefährden, und das über Generationen hinweg.“

Im Hinblick auf einen ressourcenschonenden Umgang mit Energie betonte LH Pühringer, dass Oberösterreich dabei Vorreiter sein sollte und zeigen sollte, dass dieser Weg gangbar sei, gerade in einem Hochindustrieland: „Wenn wir erfolgreich vorangehen, werden auch andere folgen“, so Pühringer. So hat etwa eine aktuelle Studie ergeben, dass Oberösterreich bis 2015 115.000 sogenannte „Green Jobs“ im Land haben könnte. Das würde heißen, dass im Jahr 2020 jeder sechste Arbeitsplatz in Oberösterreich ein „Green Job“ ist.

Pühringer: „Für uns heißt das, dass wir mit den Initiativen Öko-Energie und Umwelttechnikcluster, mit dem Netzwerk Ressourcen- und Energieeffizienz, aber auch mit der aktiven Arbeitsmarktpolitik unsere Bemühungen noch verstärken müssen. Aber: es wird sich auszahlen im Interesse von Klimaschutz, Umwelt, und vor allem im Interesse kommender Generationen.“

Innerhalb einer Generation müsse es gerade für ein Hochindustrieland wie Oberösterreich möglich sein, die Stromversorgung weitestgehend aus regenerativen Energien zu bestreiten – und dabei ein führendes Industrieland zu bleiben. Oberösterreich wolle bis zum Jahr 2030 bis zu 100 Prozent Stromversorgung aus erneuerbaren Energien erreichen, so Pühringer.


Pater Steindl-Rast: Mit Dankbarkeit von der Quantität zur Qualität

Der Benediktinermönch Pater David Steindl-Rast betrachtete in seinem fesselnden Referat das Thema der Energie von einer ganz anderen Seite. Für ihn stellte dabei die Dankbarkeit die zentrale Kategorie dar. „Dankbarkeit gibt uns sofort Resultate und Dankbarkeit gibt uns Zugang zur Qualität mit weniger Quantität und genau das ist es, was wir in Zukunft brauchen“, zeigte sich Steindl-Rast überzeugt, denn unbegrenztes Wachstum sei nicht möglich: „Gott lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, so Steindl-Rast. Die Dankbarkeit zu üben, gab Steindl-Rast den Gästen auch als Aufgabe mit nach Hause: „Sie werden sehen, bis zum Ende des Tages werden Sie fröhlicher sein als jetzt“, kündigte Steindl-Rast an.


BM a.D. Prof. Dr. Töpfer: Gemeinschaftswerk Atomausstieg

Den Reigen der Referate am zweiten Tag der Reichersberger Pfingstgespräche der ehemalige deutsche Umweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer. Er gab in seinem Referat unmittelbare Einblicke in die Arbeit der deutschen Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“, deren Vorsitzender er ist und aufgrund deren Endbericht die deutsche Bundesregierung den Atomausstieg Deutschland bis zum Jahr 2022 beschlossen hat. Er betonte dabei, dass der Atomausstieg Deutschlands die Unterstützung aller brauche: „Der Atomausstieg kann nur gelingen, wenn wir es gemeinsam machen, er ist ein Gemeinschaftswerk“, betonte Töpfer, der im Atomausstieg vor allem auch eine ethische Frage sieht: „Wir subventionieren unseren Wohlstand, indem wir die Kosten auf kommende Generationen abwälzen“, kritisierte Töpfer. Er unterstrich aber auch, dass die Frage des Atomausstieges nicht auf Kosten der Klimaziele und mit wachsenden Atomstromimporten einher gehen dürfe.

An der Frage der Energieversorgung entscheidet sich für Töpfer auch die Armutsfrage: „Die Überwindung der Armut ist immer auch eine Überwindung der Energiearmut“, so Töpfer. Hier müssten neue Wege gegangen werden, wie etwa die Nutzung von Geothermie in Afrika.


Univ.-Prof. DI Dr. Brauner: Effizienter werden und Vergeudung einstellen

Vor allem mit den technischen Anforderungen an nachhaltige Energiesysteme setzte sich Univ.-Prof. DI Dr. Günther Brauner von der Technischen Universität Wien auseinander. Der Schlüssel liegt für ihn in der Effizienz: „Wir müssen effizienter werden und die Vergeudung einstellen“, verlangte Brauner. So würde ein Haushalt durchschnittlich 30 bis 47% der Energie vergeuden – mit dieser vergeudeten Energie könne man aus der Sicht Brauners die gesamte E-Mobilität in Österreich leisten, der er vor allem im Verkehr rund um die Ballungsräume großes Potential zuschreibt. Die Steigerung der Effizienz schafft für Brauner aber auch den Spielraum für Weiterentwicklungen: „Wir müssen jetzt effizienter werden, damit wir Übergangszeiten haben, um neue Technologien zu entwickeln“, betont Brauner. Er sieht im Weg zur Nachhaltigkeit darüber hinaus ein großes wirtschaftliches Potential.


Prof. Dr. Dr. Hillerbrand: Es gibt keine Technik, die risikofrei ist

Für die Einbeziehung der ethischen Debatte in den Energiediskurs appellierte Prof. Dr. Dr. Rafela C. Hillerbrand von der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen, die alleine schon aufgrund ihrer Ausbildung – Hillerbrand ist promovierte Physikern und Philosophin – die gemeinsame Betrachtung von Ethik und Philosophie unterstützt. „Es gibt keine Technik, die risikofrei ist und deshalb müssen wir unterschiedlichste Szenarien entwickeln und dabei vor allem auch die ethische Debatte miteinbeziehen. Technische Neuerungen müssen dabei vor allem aus der Lebensnotwendigkeit der Menschen entwickelt werden. Das bedeutet vor allem für die Wissenschaft ein Umdenken“, erklärte Hillebrand.


GD Dkfm. Windtner: Versorgungssicherheit und Effizienz

Den Abschluss der diesjährigen Pfingstgespräche bildete das Referat von Energie AG-Generaldirektor Dr. Leo Windtner. Er ortete in der Atomkatastrophe von Fukushima eine Zäsur in der Energiewirtschaft, die für Europa gleichzeitig eine Riesenchance sei, eine koordinierte und richtungsweisende europäische Energiepolitik zu etablieren, mit der Windkraft im Norden, Pumpspeicherwerken in den Alpen und Photovoltaik im Süden. Schlüsselwörter für Windtner sind dabei die Versorgungssicherheit und die Effizienz. „Die Versorgungssicherheit ist jenes Vokabel, das in den Köpfen der Menschen am wichtigsten ist. Sie ist das wesentliche Gut der Energiewirtschaft“, unterstrich Windtner. Um hingegen noch mehr Effizienz  zu schaffen, müsse ein stärkeres Bewusstsein für den Wert von Energie geschaffen werden: „Die Bewusstseinsbildung, die im Bereich des Abfalls gelungen ist – in jedem Kindergarten stehen heute verschiedene Behälter, um Müll zu trennen -, diese Bewusstseinsbildung muss uns auch im Bereich der Energie gelingen“, so Windtner.