"Globalisierter Markt ohne Herz?"

Auf großes Besucherinteresse stießen die diesjährigen „Reichersberger Pfingstgespräche“ der OÖVP, die sich am Pfingstmontag, 12. Mai, und Dienstag, 13. Mai 2008, mit der Zukunft von Arbeit und Wirtschaft im Spannungsfeld von Ethik und Gewinnstreben befasst haben. Namhafte Referenten, von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer über den Geistlichen und Buchautor Pater Anselm Grün und bauMax-Vorstandsvorsitzenden KR Martin Essl bis hin zu Staatssekretärin Christine Marek, Dr. Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn und Univ.-Prof. Dr. Andre Habisch, Professor für Christliche Sozialethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, diskutierten im Stift Reichersberg über die Herausforderungen der Globalisierung für Arbeitnehmer und Unternehmer und die möglichen Antworten darauf.


Die Referenten der Reichersberger Pfingstgespräche 2008

1. Tag der Reichersberger Pfingstgespräche (v.l.): OÖVP-Landesparteisekretär Mag. Michael Strugl, Univ.-Prof. Dr. Andre Habisch, Christine Marek, Pater Anselm Grün, Dr. Werner Eichhorst, LH Dr. Josef Pühringer, Martin Essl


Gerade auch im Zeitalter der Globalisierung müssen ökonomische Vernunft und soziale Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sein!

Auf großes Besucherinteresse stießen die diesjährigen „Reichersberger Pfingstgespräche“ der OÖVP, bei denen am Pfingstmontag und Dienstag, 13. Mai 2008, über die Zukunft von Arbeit und Wirtschaft im Spannungsfeld von Ethik und Gewinnstreben diskutiert wurde: Fast 700 Besucher verfolgten am Montag Abend die Vorträge des Geistlichen und Buchautors Pater Anselm Grün und von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer in der Stiftskirche von Reichersberg. Und mehr als 200 Interessierte füllten auch am Dienstag Vormittag den Augustini-Saal des Stiftes bei den Referaten von bauMax-Vorstandsvorsitzenden KR Martin Essl, Staatssekretärin Christine Marek, Dr. Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn und Univ.-Prof. Dr. Andre Habisch, Professor für Christliche Sozialethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie alle befassten sich unter dem Generalthema „Globalisierter Markt ohne Herz?“ mit den Herausforderungen der Globalisierung für Arbeitnehmer und Unternehmer und die möglichen Antworten darauf.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer verwies darauf, dass der Markt „Abgrenzungspflöcke“ brauche, und zwar sowohl soziale als auch ökologische: Die OÖVP sage ein klares Nein zum gewissenlosen Gewinnstreben, denn die Marktwirtschaft brauche eine soziale Komponente. „Nur die soziale Marktwirtschaft ist das Modell, das für möglichst viele Menschen Wohlstand und Lebensqualität sichern kann“, unterstrich der Landeshauptmann. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass es sowenige Menschen wie möglich gebe, die Sozialleistungen brauchen. Wobei die wichtigste Rahmenbedingung ein optimales Bildungssystem sei, denn Bildung verteile Lebenschancen und könne vor allem mithelfen, Arbeitslosigkeit zu verhindern, betonte Pühringer. Und: „Grundsätzlich gilt, dass gerade auch im Zeitalter der Globalisierung ökonomische Vernunft und soziale Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sein müssen!“


Pater Anselm Grün: „Christliche Werte exportieren“

Pater Anselm Grün plädierte dafür, der Globalisierung einen Export unserer christlichen Werte entgegenzusetzen: „Wir müssen nicht die Globalisierung humanisieren, sondern wir sollten die Humanität globalisieren!“. Daher sollten Werte wie Fairness, Menschenwürde, Nachhaltigkeit und soziale Gesinnung in die Welt getragen werden, appellierte Grün an die Zuhörer. In diesem Sinne sei die Globalisierung eine Herausforderung für die gerechtere Verteilung der Güter und Chancen. Jeder könne einen Beitrag dazu leisten: „Wir müssen die Werte leben, wenn viele das tun, wird die Welt besser. Nicht nur das eigene Leben wird wertvoller, das geht in die Welt hinaus“, so der Benediktinerpater und Bestseller-Autor.


bauMax-Chef Martin Essl: „Der Mensch steht im Mittelpunkt“

Im Mittelpunkt aller Überlegungen seines Unternehmens stehe der Mensch, betonte der Vorstandsvorsitzende der bauMax AG, KR Martin Essl - von der Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden, über die Sorge um die Mitarbeiter bis hin zum ehrlichen Umgang mit den Geschäftspartnern und die Rücksichtnahme auf die Schöpfung. All das sei kein Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg, sondern vielmehr der Weg dahin, wie auch der Erfolg von bauMax gezeigt habe. Ein Teil des Gewinnes fließe in gesellschaftliche und soziale Projekte, erklärte Essl. Denn soziale Verantwortung werde groß geschrieben: bauMax werde bis Ende des Jahres 200 Menschen mit Beeinträchtigungen erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Dies steigere die soziale Kompetenz des gesamten Teams und die Mitarbeiter seien dadurch auch ausgeglichener. Die Kunden würden diese Aktion ebenfalls positiv aufnehmen, berichtete Essl.


Staatssekretärin Christine Marek „Gute Arbeitsplätze als Ziel“

Staatsekretärin Christine Marek erklärte, Ziel müssten „gute Arbeitsplätze“ sein, also eine menschenwürdige Arbeit, die glücklich mache und durch die man auch wirtschaftlich abgesichert sei. „Wir wollen keine prekären Arbeitsverhältnisse, sondern unbefristete Vollzeitarbeitsarbeitsplätze. Es kann kein Ziel sein, dass jemand zwei oder drei Jobs braucht, um davon leben zu können“, so Marek. Dazu müsse man von den Arbeitnehmern auch die Bereitschaft zur Weiterbildung verlangen, denn dadurch würden sie ihren „Marktwert“ auf dem Arbeitsmarkt steigern, wenn sie mehr Qualifikationen haben.


Werner Eichhorst: „Kein Grund für Österreich, sich vor Globalisierung zu fürchten“

Österreich habe keinen Grund, sich vor der Globalisierung zu fürchten, unterstrich Dr. Werner Eichhorst vom „Institut zur Zukunft der Arbeit“ in Bonn. Denn Österreich habe von der Globalisierung und der Europäisierung besonders stark profitiert, weil unser Land durch die mittelständische Wirtschaft gut aufgestellt sei, weil diese flexibel auf neue Anforderungen und Herausforderungen reagieren könne. Eichhorst verwies aber auch darauf, dass der Einzelne nicht nur ein Recht auf Bildung habe, sondern auch die Pflicht, Bildungsangebote wahrzunehmen. Das sei eine weitere Voraussetzung dafür, dass die Globalisierung mehr Chancen als Risiken bieten könne.


Prof. Andre Habisch: „Werteorientiertes Handeln rechnet sich für Unternehmen“

Univ.-Prof. Dr. Andre Habisch zeigte sich überzeugt, dass sich ökonomische und gesellschaftliche Ziele wechselseitig unterstützen: „Das hat nichts mit ‚Gutmenschentum’ zu tun, denn gesellschaftliches und soziales Engagement und soziales Handeln von Unternehmen rechnet sich auch.“ Die Unternehmen würden durch öffentliche Anerkennung, ein besseres Image und damit wiederum mehr Kunden und bessere Mitarbeiter davon profitieren, so Habisch.